Im Keller

Österreich 2014  / Regie: Ulrich Seidl / 85 Min. / ab 16

Menschen und ihre Keller sind ein ganz besonderes Duett. Was Menschen in ihren Kellern und in ihrer Freizeit so tun, erzählt der neue Film von Ulrich Seidl. Ob unterirdisch, hinter schweren Türen verborgen oder durch steile Treppen in ein alltägliches Jenseits gerückt – in Kellern lauern und lagern Obsessionen, Blasmusik und Opernarien, teure Möbel und billige Herrenwitze. Ulrich Seidl erzählt so tragische wie komische Geschichten von Sexualität und Schussbereitschaft, Fitness und Faschismus, Peitschenschlägen und Puppen.

Ulrich Seidl zeigt menschliche Abgründe als sorgsam arrangierte Bilder mit Schockeffekt. Der erste Eindruck: In österreichischen Kellern lauert das Grauen. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Ausflug in den Untergrund als tragikomischer Balanceakt zwischen Exhibitionismus und Voyeurismus. Seidls Protagonisten führen vor und lassen sich vorführen.
Alles ist inszeniert, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Das ist Seidls Stil, zu dem die verstörenden Bilder ebenso gehören wie sein Wille, immer noch mehr zu zeigen. Hier sind es die Bilder von SM-Sexpraktiken, die sensible Kinobesucher abschrecken könnten, aber wohl zum wahren Leben im Keller gehören. Seidl provoziert nicht, er präsentiert und stellt damit auch die Rolle des Zuschauers in Frage.