Son Of Saul (OmU)

Am So, 10.4. in unserer neuen Matinée-Filmreihe (11: 00 Uhr / 6€)

Ungarn 2015 / Regie: László Nemes / Drehbuch: László Nemes, Clara Royer / Kamera: Mátyás Erdély / Darsteller: Géza Röhrig, Marcin Czarnik, Levente Molnár, Urs Rechn, Todd Charmont, Jerzy Walczak, Sándor Zsótér, Uwe Lauer, Christian Harting, Amitai Kedar, Kamil Dobrowolski. / 107 Min./ FSK ab 16

Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im Oktober 1944: Der ungarische Gefangene Saul Ausländer (Geza Röhrig) wird gezwungen, sich einem Sonderkommando von jüdischen Inhaftierten anzuschließen, zu dem auch Abraham Warszawski (Levente Molnár), Feigenbaum (Marcin Czarnik), Mietek (Kamil Dobrowolski) und Oberkapo Biederman (Urs Rechn) gehören. Saul ist damit vom Rest des Lagers isoliert und muss eine Aufgabe übernehmen, die schrecklicher nicht sein könnte: Er muss bei der Massenvernichtung der Gefangenen mithelfen und die Leichenberge in den Krematorien verbrennen, wird also in den von Oberscharführern wie Voss (Uwe Lauer) und Busch (Christian Harting) überwachten Arbeitsablauf eingebunden. Moralische Erlösung findet Saul angesichts des Unfassbaren nur, als er die Leiche eines kleinen toten Jungen „rettet“, indem er dessen Körper nicht den Flammen überlässt, sondern ihn fortan wie seinen eigenen Sohn behandelt. Als das Sonderkommando eine Rebellion plant, beschließt Saul das Unmögliche: Er will den Leichnam des Kindes heimlich einem Rabbi übergeben und dem Jungen so eine menschenwürdige Beerdigung zukommen lassen…

Sein Regiedebüt widmet László Nemes den sogenannten Sonderkommandos in Auschwitz. Gezwungen von NS-Schergen mussten jüdische Gefangene die Deportierten in die Gaskammern führen und danach ihre Leichen verbrennen. Die unerbittliche Nahaufnahme der Shoa, ohne die Möglichkeit eines Ausblicks, wirkt wie ein Gegenentwurf  zu Spielbergs „Schindlers Liste“. Das packende Holocaust-Drama des jungen Ungarn versucht, den barbarischen Horror in den Konzentrationslagern auf neuartige Weise verstörend fühlbar zu machen. Das cineastische, stilistisch radikale Meisterwerk gewann einen Golden Globe und sogar den Oscar als „bester fremdsprachiger Film“.